Die Vereinsfahne

Mit Fahnen - wie mit vielen andern traditionsreichen Institutionen - tun sich heute viele Leute schwer. Das mag an ihrer ursprünglichen Bedeutung im Militärischen liegen, als die Fahne vor allem Orientierungshilfe im Schlachtengetümmel war. Diese Aufgabe hat sie längst verloren. Die Fahne wurde mehr und mehr zum stolzen Zeichen einer selbstbewussten Gemeinschaft. Wer was ist, hat auch eine Fahne. Sie symbolisiert, längst übers Militärische hinausgewachsen, all das, wofür sich eine Gemeinschaft einsetzt. Sie ist Ausdruck ihres Selbstverständnisses und ihrer Zusammengehörigkeit. Heute reden wir von Corporate Identity, scharen uns um ein Logo und stecken uns Pins an. Die Formen ändern, Inhalt und Botschaft bleiben. Auch beim RSV.

Fünf Jahre nach der Gründung, 1930, wird auf Vorschlag von Meinrad Meury ein Fahnenfonds mit einem Startkapital von 250 Franken ins Leben gerufen. Ziel ist es, die neue Fahne am 1. Basler Katholischen Kantonal-Turnfest in Reinach im Sommer 1931 weihen zu können. Erstmals führt der Verein aber schon im Sommer 1930 am Turnfest in Colmar eine Fahne mit sich, eine Schweizerfahne.
Hergestellt wird die eigene Fahne von der Firma Kurrer und Schaedler in Wil/SG zum Preise von 600 Franken. Am Festgottesdienst des 1. Basler Katholischen Kantonal-Turnfest am 23. August 1931 kann die Fahne vom damaligen Ortspfarrer Mar Arnet eingeweiht werden. Die eigentliche Enthüllung der Fahne erfolgt während der Abendunterhaltung am Sonntagabend (Übrigens: Zu dieser Zeit zählt Reinach 2'500 Einwohner und noch über 100 Landwirtschaftsbetriebe, heute sind es ca. 18'500 Einwohner und 5 Bauernbetriebe).

Auch die Jugendriege erhält ihre Fahne. Sie wird der Vereinsfahne nachgebildet, von den Ehrwürdigen Schwestern von Reinach angefertigt und an der Jahresfeier vom 9. Januar 1933 enthüllt.

Am 25. November 1941 werden die beiden Fahnen (zusammen mit den Vereinskränzen und Photos) bei einem Brand im Restaurant 3 Eidgenossen trotz eines mutigen Rettungsversuches des Fähnrichs Konrad Kury weitgehend zerstört. Dank der Entschädigung durch die Versicherung kann der Verein je ein Duplikat der alten Fahnen anfertigen lassen.

Am 12. Dezember 1965 steht in einem Protokoll, dass die Fahne havariert sei und nicht mehr benutzt werden könne. Es dauert aber noch bis zum Herbst 1978, bis auf Vorschlag von Hansruedi Schneider an der Generalversammlung - allerdings nur mit 24 zu 20 Stimmen - ein neuer Fahnenfonds geschaffen wird. Die Zeit der Fahneneuphorie ist offenbar vorbei. Es geht offenslichtlich auch nicht so recht vorwärts mit dem Fonds und der neuen Fahne, denn im November 1991 erfährt der Verein, dass Klaus Leimgruber die alte Fahne auf seine Kosten reparieren liess. Ihr Alter und ihre geschichtliche Bedingtheit kann sie jedoch nicht leugnen.

1993 wir der Vorschlag, die alte Fahne als Leihgabe dem Heimatmuseum zu übergeben gutgeheissen - und gleichzeitig beschlossen, eine neue Fahne zu kreieren.

Am 28. Januar 1995 werden die beiden Fahnen, welche die Turner zu unzähligen Turnfesten und Anlässen begleitet hatten, früher etwas mehr, später etwas weniger, hochoffiziell dem Heimatmuseum übergeben.
Im gleichen Jahr nimmt eine Fahnenkommission die Arbeit auf, die auf Grund eines Entwurfes von Hans Haldimann die neue Fahne gestaltet.
Und was bringt sie zum Ausdruck? Den RSV, die Gemeinde Reinach und einen Turner, alles in einer modernen Verion, die - so die Absicht - mindestens zwei Generationen überdauern soll. Hergestellt wird sie von der Firma Heimgartner AG in Wil/SG, nicht mehr für 600 Franken, sondern für rund 10'000 Franken.

Am 28. Oktober 1995 wird die neue Fahne im Rahmen eines Volleyballturniers und in Anwesenheit der Spitzen der Reinacher Behörden enthüllt und von Pfarrer Hans Brühwiler eingesegnet. Und bei dieser Gelegenheit kommt, oh Wunder, die alte Originalfahne wieder zum Vorschein, die beim Brand 1941 nur Wasserflecken abbekommen hatte; sie hängt jetzt auch im Heimatmuseum.